"Die Zeit entscheidet, ob Wein nur schmeckt oder berührt - im Keller und im Glas!"
Teresa Haas, Dipl. Sommelière | Sake Sommelière
VINORAMA ON TOUR: WEIN & ZEIT – WENN GEDULD ZUM GENUSS WIRD
Zeit ist einer der spannendsten Begleiter des Weins. Sie kann ihn veredeln, abrunden oder seine ursprüngliche Frische beeinflussen. Wer versteht, wie Wein und Zeit zusammenspielen, entdeckt Genuss auf einer neuen Ebene.
DIE RICHTIGEN LAGERBEDINGUNGEN
Damit Zeit für den Wein arbeitet, braucht es Ruhe. Ideale Lagerbedingungen sind konstante Temperaturen zwischen 10 und 12 °C, ausreichende Luftfeuchtigkeit (ca. 60-80 %), Dunkelheit und Erschütterungsfreiheit. Der Korken sollte stets feucht bleiben – liegend gelagerte Flaschen sind deshalb Pflicht. Hitze, Licht und Temperaturschwankungen sind die größten Feinde gereifter Weine.
WIE SICH GESCHMACK MIT DER ZEIT VERÄNDERT
Von frischen, primären Frucht- und Blütennoten hin zu komplexen, tertiären Aromen wie Gewürzen, Unterholz, Leder, Trockenfrüchte oder Nüsse. Da chemische Prozesse wie die Polymerisation die Tannine abmildern und die Aromen verändern, findet mit der Zeit eine große geschmackliche Veränderung statt. Das Profil wird dadurch vielschichtiger, die Tannine generell harmonischer und der Wein oft samtiger, was ihm Komplexität und Tiefe verleiht. Zu beachten gilt aber: Unreife Tannine, die bereits zu Beginn grün und unharmonisch sind, werden nie reif werden! Die Säure hingegen wird analytisch nicht weniger, sie verändert sich aber sensorisch und wirkt nicht mehr ganz so spitz.
WELCHE WEINE EIGNEN SICH ZUR LAGERUNG?
Nicht jeder Wein ist für die Zeit gemacht. Besonders lagerfähig sind Weine mit guter Säurestruktur, hohem Extrakt oder Tannin. Zum Beispiel große Weißweine wie Riesling, Burgunderrebsorten, Cabernet Sauvignon oder Blaufränkisch. Auch edelsüße Weine können Jahrzehnte überdauern. Herkunft, Rebsorte und Ausbau spielen dabei eine entscheidende Rolle. Frische Weißweine, fruchtige Rosés und viele unkomplizierte Rotweine sind für den frühen Genuss gedacht. Sie leben von Primäraromen und Lebendigkeit – Eigenschaften, die mit zu viel Zeit verloren gehen können. Deshalb empfiehlt sich hier den Wein keine Ewigkeit aufzubewahren, sondern eher zeitig genießen.
WIE LANGE HÄLT MEIN WEIN?
Die Haltbarkeit hängt vom Weinstil ab. Viele Weine erreichen ihren Höhepunkt bereits nach ein bis drei Jahren, andere erst nach zehn oder mehr. Ein Blick auf Jahrgang und Herkunft hilft bei der Entscheidung. Am Ende geht es aber immer um Länge, Balance, Konzentration und Intensität! Und manchmal gilt: lieber etwas zu früh öffnen als zu spät.
BELÜFTEN ODER DEKANTIEREN – ZWEI WEGE, ZEIT ZU BEEINFLUSSEN
Zeit wirkt nicht nur im Keller, sondern auch im Glas. Beim Belüften bekommt der Wein bewusst Sauerstoffkontakt, meist durch Schwenken im Glas oder den Einsatz einer Karaffe. Dieser Prozess beschleunigt die Entwicklung des Weins kurzfristig: Aromen öffnen sich schneller, reduktive Noten verfliegen, der Wein wirkt zugänglicher. Dekantieren hingegen ist ein Spiel mit Zeit und Geduld. Der Wein wird vorsichtig in eine Karaffe umgefüllt, um ihn vom Depot zu trennen, das sich bei gereiften Weinen gebildet hat. Während Belüften also beschleunigt und oft für junge, verschlossene Weine sinnvoll ist, respektiert das Dekantieren den Rhythmus des Weins und gibt ihm Zeit, sich langsam und kontrolliert zu entfalten. Beide Methoden zeigen: Auch nach dem Öffnen bleibt Zeit ein entscheidender Faktor für den Genuss.
Grüner Veltliner Ried Brunnthal 1ÖTW Wagram DAC 2024
Weingut Leth, Fels am Wagram
Österreich
0.75 l
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Trocken







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