Jugendarbeit
Sonntag, den 7. Oktober 2007Wie im Weingarten so beginnt auch im Keller eine arbeitsreiche und interessante Zeit. Die eingebrachten Trauben müssen sorgsam auf ihrem Weg zum Jungwein begleitet werden, denn dabei durchlaufen sie eine ganze Reihe sensibler Phasen, die darüber entscheiden, ob sich die im Weingarten erzielte Qualität auch im erwachsenen Wein wiederfindet. Die Jugend prägt den Charakter eben am meisten.
Deshalb waren wir Samstag und Sonntag mit einigen wichtigen Arbeiten im Keller beschäftigt, bevor nächste Woche die Lese weiter geht.
Rotwein
Zwar gilt mein Hauptinteresse den Weißweinen, vor allem dem Grünen Veltliner, doch das Kremstal ist ideal schöne, fruchtige Vertreter der klassischen österreichischen Sorte Zweigelts hervorzubringen. Deshalb macht Rotwein etwa 7-8% der Jahresproduktion unseres Weingutes aus.
Unser Zweigelt ist mittlerweile – wie bei Rotweinen notwendig – zwölf Tage auf der Maische, das ist die Mischung aus Beerenhäuten, -kernen und dem Most, vergoren. Gestern wurde er gepresst und in die Holzfässer gefüllt.
Weißwein
Die erstgeernteten Weißweine befinden sich mittlerweile in der Endgärphase bzw. sind schon fertig vergoren.
Ein kleines aber essentielles Beispiel für einen Arbeitsschritt in diesem Stadium: Während der Gärung wird dem Most für die stattfindenden Volumsveränderungen im Tank Platz gelassen, der sogenannte Steigraum. Die Tanks werden also nicht ganz gefüllt. Während der Gärung ist dies kein Problem, da CO2 entsteht. Das CO2 ist schwerer als Luft und legt sich auf den Wein, um ihn vor der qualitätsbeeinträchtigenden Wirkung des Sauerstoffs zu schützen. Nach der Gärung fällt dieser CO2-See weg. Es gilt also zum richtigen und bestmöglichen Zeitpunkt die Fässer aufzufüllen, sonst verdirbt der Wein durch Oxidation.
Doch damit ist die “Jugendzeit” des Weines noch lange nicht abgeschlossen.
Er bleibt weiterhin auf der Feinhefe “liegen”. Dadurch reifen die Weine besser heran, es entstehen komplexere vielschichtigere Weine mit entwickelten Aromastoffen. Die ideale Dauer dieser Phase variiert von Jahrgang zu Jahrgang und richtet sich auch danach, ob es ein junger, fruchtiger und knackiger oder ein komplexer, langlebiger Wein werden soll.
Dabei gibt es aber kein Patentrezept. Entscheidungen wie die Dauer der Feinhefelagerung, die Gärtemperatur oder der Füllzeitpunkt sind Glaubensfragen, bei der jeder Winzer seine eigene Philosophie hat und die wesentlich zum individuellen Stil jedes einzelnen beitragen.

