
Man findet Weinbeschreibungen nur so lange übertrieben, bis man selber eine macht. Das habe ich zwar nicht erst heute erfahren, ich bin aber stark daran erinnert worden – als wir unser neues Sortiment durchbeschrieben haben. Ab halb neun, denn in der Früh sind die Sinne noch scharf. Begonnen mit den Weißen: die Früchte darin eindeutig erkannt. Fortgesetzt mit den Roten: schon etwas komplizierter – weil Frucht darin nicht alles ist. Die Süßen aufgehoben – weil man ja bei Weiß und Rot auch den Abgang beschreiben musste (spucken gilt nicht).
Für mich ein rundum glücklicher Vormittag mit kleineren Sorgen: Wie beschreibt man “supergute Nase” genauer? Da man zwischendurch auch mal ausatmen muss, dauerte das von Wein zu Wein unterschiedlich lange, Betonung auf “lange”. Ein weiteres Problem, das sich speziell bei mir auftut, ist jener Geschmackseindruck, welcher sich nicht sofort einer bestimmten Frucht oder einem bestimmten Kraut zuordnen lässt. Einer davon erinnert mich immer an die Schlümpfe (die von Haribo – aber die mit dem weißen Hut, nicht Papaschlumpf). Oder an Schokobananen ohne Schokolade, also nur das Innere. Der erfahrene Thomas muss dann einschreiten und mich von meinen sensorischen Ausflügen heimbringen. Die Weinbeschreibung soll schließlich nachvollziehbar sein – auch für jene, die nicht so gerne naschen wie ich …
Claudia Hareter-Kroiss
Weingut Hareter Thomas
www.hareter.at
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