Man entwickelt sich zum Wetterexperten; Radio- und TV-Wettervorhersagen entgehen einem kaum und das Warten auf eine eisige Nacht zehrt ein bißchen am Gemüt. Und gefiederte (nicht unbedingt willkommene) Erntehelfer machen die Entscheidung zur Lese auch nicht einfach. Gut 40 % der Trauben – trotz Benetzung der Rebstöcke – wurden von den Vögeln bereits geholt. Der nahe gelegene Neusiedlersee und Nationalpark ist Heimat und Lebensraum unserer gefiederten Freunde (trotz allem Schaden den sie anrichten); es ist für die Tiere nur natürlich in großen Scharen auszuschwirren und sich die wenigen süßen Trauben zu erkämpfen.
Gemessen wurden nun am Freitag/ 4.1.2008 gegen 18 Uhr ca. 5° minus und eine frostige Nacht war angesagt. Wir erreichten nachts ca. -7°C; für das schon relativ eingetrocknete und bereits sehr süße Traubenmaterial doch zu wenig.
Die Trauben müssen laut dem österreichischen Weingesetz im gefrorenen Zustand geerntet und abgepreßt werden. Je süßer die Trauben nun sind und je weniger Saftanteil vorhanden ist, umso tiefere Temperaturen werden benötigt.
Es würde sonst auch der so typische Eisweingeschmack fehlen. Eiswein erinnert mich auch ein bißchen immer an ein “Seidenzuckerl”: feine Balance von Zucker und Säure, zartes Biskuit und individuelle Frucht- und Kräutervielfalt (Orange, Mandarine, Minze, etc….) .
Wie es aussieht, werden wir auf diese Weinspezialität wohl heuer verzichten müssen; der große Ernteaufwand würde sich für die zu erwartende sehr geringe Erntemenge nicht lohnen.
Eiswein geernetet werden konnte in dieser Nacht von einigen Winzer-Kollegen im Seewinkel; aber auch sie mussten sehr große Ernteverluste hinnehmen. Eiswein wird also eine Rarität bleiben!
Zum Glück kommen wir nicht viel zum Nachdenken. Mit dem Rebschnitt wurde bereits begonnen. Die ersten Weißweine werden für die Abfüllung “fit” gemacht…. Das neue Jahr kann beginnen…
Weingut Kummer-Schuster/ Traude Schuster – Halbturn
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